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Texte Erzählungen

Ein kleines Vorwort

Zu den  vielen Kriegserzählungen, die mitunter ergreifend sind, will ich eigentlich nichts hinzufügen, sondern nur kurz erwähnen, dass ich zur Generation der Kriegskinder gehöre, deren Jugend zu einem zutiefst enttäuschenden Trümmerhaufen wurde. Das erklärt vielleicht dieses unbändige Lebensgefühl der jungen Nachkriegsgeneration und den  fast fanatischen Wunsch, dem Leben mit Schnabel und Krallen (avec bec et ongles) ins weiche Eingeweide zu stoßen. Ich erinnere mich noch genau, als ich diagonal über ein Eckgrundstück ging, das schon von Trümmern befreit war, plötzlich stehen blieb und leise vor mich hin sprach: Ja, ich will leben – ich will leben....... Als wir endlich nach Beendigung der Berliner Blockade Lebensmittel kaufen konnten, die es vorher nicht gab und uns in paradiesisch-kulinarische Begeisterung versetzte, kaufte ich mir eine Dose Ölsardinen, die ich in einem Zuge verspeiste........die Freude hielt nicht lange an.....nach 10 Minuten.....musste ich alles wieder zurückgeben – hinein ins Toilettenbecken. Da verstand ich, was es heißt, vorsichtig an die Leckerbissen des Daseins heran zu gehen....was mir nicht immer gelang..... Meine Geschichten beginnen nun viel viel später: nach Jahren „normaler“ Katastrophen - und Glücksphasen........

Ein weiterer Auszug:
„Wie Phönix aus der Asche“ und dann wagte ich,(fast immer) glücklich zu sein

Von meinem Wesen her war ich als sogenannte „Unternehmerin“ ziemlich unbegabt.
Meine Phantasie, meine Kreativität, meinen Mut, meine Begeisterungsfähigkeit, diese vielen Ideen wollte ich in „geschäftliche“ Bahnen lenken. Dazu musste ich Geschäftsfrau werden – ohne Ahnung zu haben von dieser so schwierigen Berufswahl, blauäugig hineingesegelt ins tiefe Wasser. Ich und Geschäftsfrau – zum totlachen!
Alles schien erst wunderbar, es war wie der Eintritt in eine unbekannte, berauschende Märchenwelt. Außerdem:  Hippi-Zeit!
Beatles, Stones, Janis Joplin, the Doors, Pink Floyd, Jimmy Hendrix……….
Alles Ohrwürmer. Weiße Ziegenpelzmäntel aus Istanbul, manchmal mit wunderbarem Bockgeruch, Sehnsucht nach einem Bauernhof……. Schmuck aus Afghanistan, Kurtas  und Kleider aus Indien, nachgemachter Jugendstil. Miniröcke und Hot-pants, Räucherstäbchen und Pfauenfedern……Riesenblumen aus Krepppapier…..
Besser als jegliche Vorstellung von Adam und Eva’s Paradies.
Was ich anbot, wollte gekauft werden, alles lief gut.
Freunde, begeisterte Mitarbeiter, eine wunderbare Familie, Kontakte zu Menschen, die ich unter anderen Umständen nie kennen gelernt hätte, die von ihren Sorgen oder ihren Träumen sprachen. Mit denen ich alle Verrücktigkeiten oder himmelhoch sprudelnde Ideen teilte.
Flöte spielende Hippis, die sich für einige Minuten auf dem bunten Teppich niederließen und die Kunden verzauberten. Vorher hatten sie gefragt, wer denn die Chefin sei, die, wie im Schaufenster angekündigt, immer Mittwochs für die Kunden „Kopf steht“, also  persönlich – dynamisch – jeden von ihnen besonders intensiv beraten würde. „ Könnten Sie aber in Wirklichkeit Kopf stehen, also im wahrsten Sinne des Wortes?“ fragten sie, als ich mich zu erkennen gab.

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Kinder, Feste, Ziegen Von den gut organisierten Dorffesten mit ca. 200 Personen will ich noch nicht erzählen, sondern von denen unseres anfänglichen Landlebens zu Füßen der Cevennen. Neben unserem Haus befand sich ein kleiner Platz, der dazu diente, unser Auto zu parken. Er war groß genug für ungefähr 30 Leute, um dort z.B. ein Fest feiern zu können. Die Idee war, ein Sommerfest zu organisieren, mit Einwohnern und gerade anwesenden Urlaubern. Der kleine Platz war ideal für dieses Vorhaben. Wir gingen persönlich in jedes Haus, um für dieses Fest zu werben und die Leute einzuladen. Alle waren begeistert von dieser Idee, versprachen zu kommen und Aperitifs , Knabberzeug und Kuchen mitzubringen. Einfache Tischplatten wurden aufgestellt, Stühle und Bänke organisiert. An einem Wochenende im August am Spätnachmittag bei 28 Grad im Schatten, Wein und leiser Musik saßen auf diesem kleinen Platz plötzlich über 30

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Booggi-Wooggi der liebeskranke Bock

( Auszüge aus meinem Buch „ Der Zauber eines Szenenwechsels“)

Normaler Weise sind Ziegen einmal im Jahr, nämlich im Herbst, zur Paarung bereit. Im Frühjahr ist das noch einmal möglich, aber wenn die Ziege gerade ihre Jungen geboren hat, stellt sich diese Läufigkeit in den meisten Fällen nicht ein. Die Tragezeit dauert mit ziemlich großer Genauigkeit fünf Monate. Eine gute Idee der Natur. Im Winter können sich die Jungen im warmen, schützenden Bauch der Mutter entwickeln und wenn die wärmeren Tage in Aussicht sind und sie das schützende Bauchbett verlassen müssen, sind ihre Überlebenschancen viel besser, als wenn sie im Winter zur Welt kämen, jedenfalls in unserem Klima.

Eine Milchziege sollte nur einmal im Jahr trächtig sein, denn es würde sie zu sehr schwächen, wenn sie bald nochmals vom Bock gedeckt werden würde. Diese gezüchteten Ziegen sind nicht so robust wie die in der Wildnis lebenden.

An einem Frühsommertag wurde eine Ziege, die im Frühjahr zwei Junge geboren hatte und nicht zu den stärksten gehörte, ausnahmsweise wieder läufig. Ich bemerkte es rechtzeitig und sperrte den Bock in eine Box, um die Ziege zu schonen. Leider hatte ich keine Möglichkeit, den Bock in einem anderen Gebäude unterzubringen, um ihm nicht ständig den läufigen Geruch der Ziege zuzumuten. Ich gab ihm die größte Box, damit er sich bequem darin bewegen konnte. Aber er wollte sich gar nicht bewegen – er stand nur an der Tür und jammerte. Ich kümmerte mich sehr um ihn und streichelte ihn mit beruhigenden Worten, aber er ließ sich nicht beruhigen.

Buggy

Auch hatte ich keine Möglichkeit, die Ziege in einer benachbarten Herde unterzubringen. Erstens bedeutet es immer ein Risiko, dass sich eine Krankheit von Herde zu Herde überträgt und außerdem hatten auch die anderen Ziegenherden einen Bock.
Ich konnte diese Situation drehen und wenden, hin und her und oben und unten – darauf war ich nicht vorbereitet. Der läufigen Ziege machte das gar nichts aus. Wenn der Bock nicht kam – dann kam er eben nicht. Wiederkauend stand sie stoisch da, ließ ihre Jungen an ihren Zitzen ziehen und tat so, als ginge sie dieses Bocks-Gejammere überhaupt nichts an. Der Bock war verzweifelt, aber ich auch. Weder ich noch er hielten das lange durch. Er fraß kaum noch, aber weil ich ihn wenigstens verwöhnen wollte, gab ich ihm aus der Hand schöne dicke Haferflocken zu fressen, die er auch gierig knabberte. Nach dem dritten Tag konnte ich das nicht mehr ertragen und öffnete die Tür seiner Box, sollte er seinen Willen haben.

Caprice – Mutter der Ziege Whisky Whisky, weil sie black and white war, wie der berühmte Schottische Whisky. „Caprice“, ihre Mutter, unsere allererste Ziege, war schon recht alt, als sie zu uns kam und sie hatte aus diesem Grunde sehr wenig Milch, aber trotzdem musste sie jeden Tag gemolken werden. Ratlos stand ich mit einem Eimer und dem Schemel vor dieser zitternden Ziege und es war nicht auszumachen, wer mehr Angst hatte, die Ziege, aus ihrer gewohnten Umgebung so brutal herausgerissen und von einer lieben Großmutter getrennt worden zu sein oder ich, die keine Ahnung hatte, wie man eine Ziege melkt und außerdem eine völlig unbegründete Furcht hatte, von den spitzen Hörnern gestoßen zu werden. Für alle Fälle band ich sie fest ans Gatter. Mein Mann hatte mir erklärt, wie ich das machen sollte. Ich setzte mich also auf meinen Schemel, berührte vorsichtig das Euter und wagte endlich zuzudrücken, in der Hoffnung, dass ein schöner weißer Strahl in den Eimer sprudelt.