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Texte Erzählungen „Wie Phönix aus der Asche“ und dann wagte ich,(fast immer) glücklich zu sein

Ein weiterer Auszug:
„Wie Phönix aus der Asche“ und dann wagte ich,(fast immer) glücklich zu sein

Von meinem Wesen her war ich als sogenannte „Unternehmerin“ ziemlich unbegabt.
Meine Phantasie, meine Kreativität, meinen Mut, meine Begeisterungsfähigkeit, diese vielen Ideen wollte ich in „geschäftliche“ Bahnen lenken. Dazu musste ich Geschäftsfrau werden – ohne Ahnung zu haben von dieser so schwierigen Berufswahl, blauäugig hineingesegelt ins tiefe Wasser. Ich und Geschäftsfrau – zum totlachen!
Alles schien erst wunderbar, es war wie der Eintritt in eine unbekannte, berauschende Märchenwelt. Außerdem:  Hippi-Zeit!
Beatles, Stones, Janis Joplin, the Doors, Pink Floyd, Jimmy Hendrix……….
Alles Ohrwürmer. Weiße Ziegenpelzmäntel aus Istanbul, manchmal mit wunderbarem Bockgeruch, Sehnsucht nach einem Bauernhof……. Schmuck aus Afghanistan, Kurtas  und Kleider aus Indien, nachgemachter Jugendstil. Miniröcke und Hot-pants, Räucherstäbchen und Pfauenfedern……Riesenblumen aus Krepppapier…..
Besser als jegliche Vorstellung von Adam und Eva’s Paradies.
Was ich anbot, wollte gekauft werden, alles lief gut.
Freunde, begeisterte Mitarbeiter, eine wunderbare Familie, Kontakte zu Menschen, die ich unter anderen Umständen nie kennen gelernt hätte, die von ihren Sorgen oder ihren Träumen sprachen. Mit denen ich alle Verrücktigkeiten oder himmelhoch sprudelnde Ideen teilte.
Flöte spielende Hippis, die sich für einige Minuten auf dem bunten Teppich niederließen und die Kunden verzauberten. Vorher hatten sie gefragt, wer denn die Chefin sei, die, wie im Schaufenster angekündigt, immer Mittwochs für die Kunden „Kopf steht“, also  persönlich – dynamisch – jeden von ihnen besonders intensiv beraten würde. „ Könnten Sie aber in Wirklichkeit Kopf stehen, also im wahrsten Sinne des Wortes?“ fragten sie, als ich mich zu erkennen gab.


Ritt mich der Teufel? Ich war doch seriös, chic usw. -  ja, mich ritt der Teufel. Ich nahm ein Kissen und mit einem eleganten Schwung im eng anliegenden  lila Leder-Hosenanzug stellte ich mich auf den Kopf, so lange, bis das Flötenlied beendet war.
Meiner Seriosität  schadete es nicht im geringsten, ganz im Gegenteil, in jener Zeit war Originalität gefragt. Die Kunden applaudierten amüsiert, alles war wunderbar…noch eine ganze Zeit lang…….
Aber eines Tages wurde der Traum durchlöchert – Einbruch!
Alles musste verriegelt werden, Eisenstäbe angebracht, da gab es anscheinend was zu holen!
Die Traumblätter fingen an zu welken – der Lack war ab.
Alle Anstrengungen versanken wie in weicher, unsicherer Watte.
Eines Tages knallte es ins Sonnengeflecht, das Gift färbte alles Lila! -  Aus!
Da stand ich nun, in einer der ersten Mitten meines Lebens und war fassungslos…….
Fünf Jahre sonnenbemalter Illusionen schlugen lautlos auf  den grauen Asphalt und verteilten sich in die Abwassergullis…..
Ich hielt es aus – eine Weile – versorgte Mann und Kinder – ging in den Supermarkt – wischte Staub und stellte die Waschmaschine an. 6o Grad Rasternummer 7 – sprach farblose Worte zu farblosen Leuten.
Saß auf der farblosen Wiese und weinte lila Tränen.
Meine Seele zog sich zurück in der Haus der Gleichgültigkeit……
Wie sonst das alles ertragen???
Da dachte ich mich einfach weg. Ich war nicht mehr da, obwohl ich funktionierte, maschinell und brav mit einem müden keep smiling…..
3 Wochen, noch einmal 2 Monate und 12 Tage hatte ich mein weggedachtes Leben geführt.
Sollte ich weiter diese vielen Migränetabletten schlucken. Gab es keinen erlösenden Traum, der diese Schmerzwand durchbrach?
Ja, er kam, der ersehnte Traum, eines Nachts schlüpfte er in meine Hausschuhe,  nahm meinen Morgenmantel und  als er auf der fünften  Seite meines Notizblocks seine Geschichte zu schreiben begann, fühlte ich einen freieren Atem, farbige Worte, grüne Wiesen, schöne Menschen, Liebe, Leben?
Hier seine Geschichte, die er für mich schrieb:

 

Der heiße Wind des Kometen lässt mich liegen auf dem Breitengrad der Menschen-Märchen. Ich fühle wieder einen Körper, fühle Arme und Hände, die greifen wollen – begreifen.
In dem runden Ding , es ist wohl mein Kopf – da zündet und zischt es wieder, kombiniert und rattert, überschlägt sich – an den Seiten des Kopfs Geräusche. In der Mitte der Atem, ich  blicke mit Augen wieder aus mir heraus, werde die anderen sehen können, Menschen, Tiere, Dinge, Bilder, Landschaften.
Empfinde – noch vage - da, was als Sonnengeflecht bezeichnet wird, Empathie, Zuneigung, Mitleiden, Freude, Impulse……
Noch zaghafte Schritte gehen meine Beine einen kleinen Weg entlang, steigen Treppen hinab bis zu einem alten Haus aus großen und kleinen Steinen gebaut, sorgfältig einen über den anderen gelegt, immer höher, so ist es genug, das reicht, nun ist für alle, für die ganze Familie, Platz genug.
Stop! So weit ist die Geschichte noch lange nicht!
Im Kopf zündet ein Kraftfeld, Energien ernähren sich gegenseitig, sind noch verwirrt, erweitern sich mit jedem neu empfangenen Bild: Kombinieren grüne Blätter mit Eidechsen, Katzen mit Tauperlen und fangen an zu laufen zu laufen, bis jemand fragt: Was willst du?
Willst du leben?
Vielleicht, etwas lebe ich schon, fast fühle ich mich gezwungen zu leben, habe mich schon zu weit vorgewagt. Kann ich nicht mehr zurück? Schon fühle ich diesen Willen, der wünscht und begehrt und er-leben will! Ist mir die Entscheidungsfreiheit schon genommen?
Stehe ich vielleicht schon auf der anderen Seite? Kann ich jetzt nur noch aus mir heraussehen? Mich nicht mehr ausdenken? Bin ich schon zu sehr Ich geworden?
„Noch nicht ganz und gar“, höre ich die Stimme. „Du denkst vielleicht, du hättest keine Entscheidungsfreiheit mehr, das stimmt nicht ganz, denn du musst dich noch einmal bekennen, noch einmal deinen endgültigen Willen aussprechen. Um das zu können, musstest du beginnen zu denken, vage zu fühlen, zu bemerken – noch nicht so ganz deutlich, aber, glaube mir, der Moment, wo du dich entschließt, wo du sagst, so oder so will ich sein, dieser Moment wird in dir hell und klar sein, auch wenn du noch nicht über die Schwelle getreten sein wirst.“
Was würde sein, wenn ich mich weigere, über deine Schwelle zu gehen?
„Die Farben des Regenbogens würden dir fast grau erscheinen, wenn du da stehen bleiben würdest, wo du jetzt bist. Strahlende vibrierende Feste, du würdest sie nur von weitem sehen, Liebe, Zuneigung, Freude, Begeisterung – das alles wäre für dich lästiges Gestrüpp. Meeresrauschen ein gestörter Radiosender, Lavendelfelder, Hochzeiten und Mozart unnützes Zeug. Teilnahmslos sähest du herab auf Passionen, Dramen, Intrigen und Tänze der Menschen. Du gingest bald zurück in dein Koma, dein Nicht-Dasein, umhüllt von grauen Wolken über den Winden – ohne Körper – nur mit einem Schatten-Bewusstsein, und auch diesen Rest ließest du bald über dem Äquator verdampfen. Könntest nicht in duftender Erde stehen“
Du willst mich zum Leben verführen? Wie duftet die Erde?
„ Sie duftet besonders gut nach einem warmen Regen.“
Ich spüre Lust, meine Hände darin zu baden.
„Es wachsen herrlich farbige Blumen in dieser Erde, auch sie können duften. Pflanzen wachsen in dieser Erde, die du essen kannst – hier eine Kostprobe.“ Ich esse davon und fange an ganz leise zu zittern.
„Sieh her, ich gebe dir einige Samenkörner und einen kleinen Garten. Du kannst ihn den Warte-Garten nennen. Darin bist du geschützt vor Hitze, Kälte, bösen Gedanken, starken Winden, kaltem Regen und Schnee. Er ist umgeben von Spiegeln, die die Dinge ins Unendliche vermehren, auch du selbst kannst dich darin sehen üben, mit allen Facetten, die latent in dir vorhanden sind – bis ins Unendliche.
Du wirst dir überlegen können, ob dir deine neue Rolle nicht zu schwierig erscheint, ob du sie annehmen willst, trotz allem.
In diesem Garten werden nicht nur die Samenkörner keimen und wachsen, es besteht die Möglichkeit, dass auch dein Wille zu leben neue Wurzeln ansetzen könnte.
Denn diese Wurzeln brauchst Du, wenn du deine Prüfungen bestehen willst.“
Ich werde zögern! Ich habe nicht die Absicht, Prüfungen bestehen zu wollen – nein ich will nicht kämpfen, nicht krank werden – nein, ich will nicht leiden!
„Du erinnerst dich?“
Vage……
„Prüfungen sind nicht negativ, Kranksein und Leid sind vielleicht nur Zeichen, eine andere Sprache, Hilferufe, du musst sie nur deuten lernen.“
Ich weigere mich!
„Soll ich gehen?“
Nein, nein, ich nehme den Samen und werde in deinen Garten gehen. Sag mir nur noch eines: bin ich weiblich oder männlich?
„Momentan bist du beides, aber wenn du dich für das Leben entscheiden würdest, wärest du weiblich“
Eine Frau also?
„Ja, eine Frau“
Werde ich in deinem Garten mit dir sprechen können?
„Das kommt darauf an, wenn der Samen aufgegangen sein wird, werde ich da sein. Du trägst noch deine Flügel am Rücken, hast du sie nicht bemerkt?“
Ich wollte sie nicht bemerken, Menschen tragen keine Flügel. Trotzdem wollte ich so tun, als wäre ich schon ein Mensch, wenn ich auch noch nicht überzeugt bin, mich in diesen Strudel der Ereignisse ziehen zu lassen, die Flügel bleiben mir noch als letzten Ausweg, sie sind Ausdruck meines Zweifels.
Zehn Schritte zur Pforte aus Worten geflochten, blaue und grüne Worte mit roten Kommata und metallenen Fragezeichen.
Einige Stufen führen hinab in meinen Wartegarten. Leise Musik aus dem Wasserlauf, der in einem Bogen durch den Garten fließt. Ich bücke mich und netze meine Hände mit Musik-Wasser, streichle mit ihnen meine heißen ermüdeten Schläfen und lasse einige Tropfen auf den Samen fallen, den ich in die braune Erde lege, setze mich auf einen Stein, löse meine Flügel und lasse sie davonschwimmen.