
Die Wunde
Manchmal scheint sie zu heilen
Sie misst die Zeit
Schreitet durch Jahrtausende
Ist auf der Suche nach Lösungen
Die gleiten ihr hinweg
Verdampfend
Sie versteckt sich
Versucht sich unsichtbar zu machen
Aber sie ist überall
Durch die Wüste kriecht sie
Gibt einen Tropfen ihres Blutes der verdorrenden Pflanze
Wunde ist Angst
Wunde ist das unbedachte Wort
Wunde ist Enttäuschung
Wunde ist das Glas
Das plötzlich und ganz unerwartet
An der Steinwand zersplittert
Und einen Riss in den blauen Himmel schneidet
Zwischen Haut und Wind
Zwischen Stein und Sand
Rot und orange und gelb und grün
Zwischen Gold und Silber
Musik und den Galaxien
Es schwebt
Es verbeugt sich
Es wirbelt im Morgengrauen
In den Beutelschneider-Gassen
Zum Begräbnis einer Nacht -
Ohne Trauer
Ein alter morscher Baumstamm
Nur noch die Idee eines Baumes
Ein leichter Stoß und er wird zerfallen
Nach weiteren Jahren wird er Humus sein
Duftende nährreiche Erde
Der Gedanke in den Himmel zu wachsen
Kam ihm nie in den Sinn
Ewiges Leben
Gesetz des sich Erneuerns -
Zu sterben
Wenn das Junge länger leben soll als das Alte
Das ewige Leben
Etappenweise verurteilt zum Tode
Was geschieht im Stadium der Krankheit
Welche Macht lacht sich in dein Fleisch
Und will leben!
Wenn du jung bist
Kannst du lächeln und grausam sein
Dein Fleisch ist unsterblich
Keine Frage der Zeit
Es zu verderben
„Monsieur le curé“ entschuldigt sich für seinen Besuch
Heiliges schmales Adlergesicht
Undurchdringlich weihevolle Kirchenmaske
Fürstliche Weltoffenheit im Anorak
Vom Zweifel unbelastet geht er durch den dunklen Abend
Von Haus zu Haus
Liebenswürdig – um Almosen nicht direkt bittend
Philosophische oder religiöse Fragen
Lächelt er klug hinweg
Macht schwebt über den Feldern
Ehrgeiz steigt in die Wolkenkratzer
Licht leuchtet unbegrenzt
Menschlicher Intellekt
Infiziert vom maßlos Luziferischen
Clandenken rammt Eisenzäune in die Erde
Dicke Türen aus Stahl in den Gehirnen
Barmherzigkeit kostet Geld