Atelier Handplanet

Mir ist es nie gelungen, eine Freundschaft zu haben mit einer Ameise.
Nicht einmal so wichtig wäre ich ihr wie ein morscher Baum.

Les petits coins de paradis d´Eva

Das Fenster meines Zimmers unter dem Dach des alten Hauses war im Sommer tagsüber geöffnet, nur mit einer dünnen Gardine zum Schutz vor Insekten bespannt. Eine Fledermaus hatte sich im Gebälk einquartiert und flog beim Fenster, trotz der Gardine, ein und aus. Sie hatte einen Trick gefunden, durch eine kleine Öffnung an der Seite hinein und auch wieder hinaus zu kriechen. Wenn ich das Fenster schloss, klammerte sie sich an die Scheibe – sie wollte unbedingt hinein. Zur gleichen Zeit sah ich plötzlich ein klitzekleines Fledermäuschen an der weißen Wand neben meinem Bett hinaufklettern. Sehr schwarz, ca. eineinhalb Zentimeter breit und lang, mit kleinen flinken Füßen. Also niedlich sah das Ding wirklich nicht aus. Jetzt verstand ich, weshalb die Fledermaus so dringend ins Zimmer wollte, also ließ ich sie hinein. Wie sie es schaffte, ihr Kleines wieder ins Gebälk zu kriegen, konnte ich nicht feststellen. Als Studienobjekte war mir diese Tierart nicht unwillkommen, doch mein Zimmer nicht der richtige Ort dafür. Ich stopfte das Moskitonetz, das über dem Bett hing, ganz fest um die Matratze herum, damit das Kleine nicht hineinkriechen konnte. Auch am Abend, als ich zu Bett ging, prüfte ich noch einmal das Netz, um mich zu überzeugen, dass es gut festgezurrt war. Das kleine schwarze Viech krabbelte manchmal außen auf diesem Moskitonetz herum. Ich graulte mich zuerst ein wenig und kroch unter die Bettdecke, schlief in der Nacht aber trotzdem einigermaßen ruhig. Fledermäuse sind ja nicht gefährlich so wie Skorpione, von denen ich auch einmal ein kleines Exemplar neben meinem Bett fand. Jeden Morgen machte ich so schnell wie möglich mein Bett und kontrollierte das festgezurrte Netz. Nach einigen Tagen bemerkte ich, dass die Fledermaus-Mama nicht mehr in mein Zimmer kam. Sie hatte sich also mit ihrem Kind eine andere Unterkunft gesucht. Ich war erleichtert! Nach drei Tagen fing es an, in meinem gut gelüfteten Zimmer eigenartig zu riechen, doch konnte ich mir nicht erklären, woher das kam. Am vierten Tag sagte mir meine Nase ganz deutlich, dass dieser Geruch aus meinem Bett kam! Ich riss das Laken herunter – nichts. Und dann den Matratzenschoner – auf diesem zweiten Laken lag die arme kleine Fledermaus, tot. Sie hatte es doch geschafft, in mein Bett hinein zu krabbeln. Ich hatte die Geschicklichkeit dieser Tiere unterschätzt. In der Gewissheit, eine ausreichende Barriere zwischen dem Tierchen und mir zu haben, habe ich es eines Nachts zu Tode gedrückt! Mir wurde schlecht bei diesem Gedanken. Das Mäuschen tat mir so leid! Das war auch der Grund, weshalb die Mutter nicht mehr in mein Zimmer kam. Die Matratze musste ich wegwerfen, ebenfalls Bettdecke und Wäsche. Den Geruch wäre ich nicht mehr losgeworden. Einige Tage schlief ich auf einer Couch, bis ich wieder eine neue Matratze hatte. Der Geruch verfolgte mich noch eine Weile bis in meine Träume. Das Fenster versperrte ich nach diesem makabren Abenteuer mit einem festen Fliegengitter, sodass keine ungebetenen Gäste mehr herein fliegen konnten.

Fast unbemerkt neigt sich unser Planet der Sonne entgegen – dem Osten zu. Unser Erdteil beginnt sich wärmen zu lassen, erhellen, leben zu lassen und unsere Augen haben Farben gelernt in dieser Helligkeit,......
Sonnenaufgang nennen wir das, ein Verneigen dieser Helligkeit entgegen.
Nennen es Morgen, Mittag, Nachmittag, blaue Stunde, dem Abend entgegen,
verabschieden uns im Westen – Sonnenuntergang, entfernen uns in die Nacht und in die Abwesenheit der Farben.
Unser Planet dreht sich durch partielle Dunkelheiten.
Es existieren weder „Sonnenaufgang“ noch „Sonnenuntergang“.
Wir nennen es so, weil wir es in dieser Weise wahrnehmen.
Sogar unsere Gefühle werden beeinflusst, Bilder  gemalt, Postkarten gedruckt, Fotos in Massen geknipst.
„Ganz falsch im Richtigen“.........
Wir haben das „Zählen“ erfunden, Kalender entworfen, die „Zeit“ in Kategorien und Uhren geordnet: Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Jahre, Jahrhunderte, Jahrtausende, Jahrmillionen – Milliarden – Ewigkeit.......
Ich, Tier-Mensch   - in Demut staune ich – denke ohne zu verstehen –
lehne mich zurück in den Abend – in die Nacht.......2009

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